Der Bruder Napoleons I. zu sein, war nicht immer ein Segen, doch Louis verstand es, sich durch seine Menschlichkeit aus diesem Schatten zu lösen. Als ihn sein Bruder auf den Thron des Königreichs Holland setzte, verstand Louis seine Rolle nicht nur als politische Aufgabe. Er liebte das Land aufrichtig – half den Menschen bei verheerenden Überschwemmungen, gründete den Vorläufer der heutigen Akademie der Wissenschaften und lernte die Landessprache. Schließlich opferte er seine Krone zum Wohl seiner Untertanen. Er weigerte sich, Napoleons Befehle blind auszuführen, insbesondere die Handelssperre gegen England, die Holland ruiniert hätte, und wurde daraufhin zur Abdankung gezwungen.
Diese dramatischen Umstände führten ihn im Jahr 1810, unmittelbar nach seiner Abdankung, nach Teplice. In den Bädern suchte er Ruhe und Gesundheit – als Mann, der der Ehre den Vorzug vor der Krone gegeben hatte.
Auch sein Familienleben war von Brüchen geprägt. Seine Ehe mit Hortense de Beauharnais war zwar nicht glücklich, doch die Geschichte vergaß ihre Familie nicht: Ihr Sohn Louis Napoleon wurde später der erste Präsident Frankreichs und anschließend Kaiser Napoleon III.