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Die größte Synagoge in Tschechien

Die Juden waren zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert die größte Minderheit in Teplice. Ihre Synagoge bildete das Stadtpanorama nur 56 Jahre mit. 

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stand das Glück bei ihnen: Im multikulturellen Milieu des europäischen Bades drohte ihnen keine Gefahr, ganz im Gegenteil. Die vielversprechend sich entwickelnde Industrie brauchte fähige Geschäftsmänner und Bankiers - und diese haben Juden es geschafft zu werden. In Zeiten, in denen in Teplice Messegebäude wie Pilze aus dem Boden schossen, bildeten die Juden beinahe 10% der Bevölkerung. Kaum einer brauchte sie jedoch zu selektieren - die meisten Juden in Teplice waren liberal in ihrer Religion und ganz in die damalige Elite integriert. Aus ihren Reihen kamen nicht nur Fabrikanten, sondern auch Ratsmitglieder, Ärzte und Rechtsanwälte. Angesichts dessen, dass sie alle auch deutsch sprachen, betrachteten sie die meisten als Deutsche. 

Zumindest in einer Sache wichen die Juden von den anderen ab - in der Religion. Die an Bedeutung und Anzahl wachsende Religionsgemeinde wollte gerade durch sie ihre gesellschaftliche Bedeutung demonstrieren. Und als im Jahre 1882 auf dem sog. Judenhügel (Židovský vršek), an der heutigen Kreuzung Chelčického ulice und Lipová ulice die vom prominenten Wiener (und jüdischen) Architekten Wilhelm Stiassný gebaute Synagoge eingeweiht wurde, konnten die Gemeindevorsitzenden entsprechend stolz sein. Für die praktisch zur gleichen Zeit fertiggebaute lutheranische Kirche des Apostels Bartolomäus, einige hundert Meter weiter entfernt, war die größte Synagoge Tschechiens ein vergleichbares Gegenstück und würdiger Konkurrent. 

Ihrem Zweck diente das Bauwerk bloße 56 Jahre. In der Nacht von 14. zum 15. März 1939 brannten Nazis die Synagoge nieder. Nicht weit von ihren ursprünglichen Mauern steht heute ein Denkmal des Architekten Milan Míšek.

Wie viele Juden es zurzeit in Teplice gibt, lässt sich aus den offiziellen Ergebnissen der Volkszählung nicht feststellen. Nach Berichten der jüdischen Gemeinde beläuft sich die Anzahl jedoch auf etwa Einhundert, d. h. im Bereich einiger Promille aller Stadtbewohner.

 

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