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Der kulturvollste Bürgermeister

J. M. Wolfram war nicht nur Bürgermeister, sondern auch ein Künstler, der nach Teplice Menschenmengen lockte.

In der Stadt Teplice hat es damals wirklich gelebt. Eine ganze Reihe von Gästen lockte der Ruf der Stadt, den alljährlich gekrönte Häupter und bedeutende Künstler noch vergrößerten. Teplice hatte offensichtlich etwas zu bieten, doch seinen Ruhm als „Salon Europas“ hat es erobern und mit großem Aufwand halten müssen. Sollte die Kurstadt eines der Zentren europäischen und kulturellen Geschehens werden, war es notwendig, an ihrer Spitze eine Persönlichkeit zu haben, die ihr Niveau repräsentieren wird. Bürgermeister könnte also nicht nur ein fähiger Beamter und gewissenhafter Verwalter der öffentlichen Angelegenheiten werden, sondern diese Funktion forderte die Fähigkeit, mit der intellektuellen Elite damaliger Zeit kommunizieren und sie auch eigentlich schaffen zu können. 

Im Jahre 1824 hat Teplice einen solchen Menschen in Josef Matyáš Wolfram gefunden. Der ausgebildete Jurist, stammend aus der Region Pilsen, kam nach seiner kurzen Karriere als Gerichtsbeamter und Rechtsanwalt nach Teplice, und mit seinen 35 Jahren wurde er zu ihrem Bürgermeister. In dieser Funktion blieb er bis zu seinem Tod im Jahre 1839, und die fünfzehn Jahre seiner Amtszeit an der Spitze gehören zu den berühmtesten, die diese Stadt erlebte. 

Josef Wolfram überlegte lange, welchen Lebensweg er wählen soll. Seit seiner Kindheit widmete er sich nämlich der Musik. Dieses Interesse wuchs noch am Pilsner Gymnasium, und als er in Prag und Wien studierte, widmete er seine ganze Freizeit der musikalischen Ausbildung bei den führenden Komponisten der  damaligen Zeit. Wohl nur wegen schlechter Gesundheit hat er schließlich die Karriere eines freien Künstlers aufgegeben, und entschied sich der Musik nur dann zu widmen, wenn es ihm seine profane Beschäftigung erlaubt. Und es scheint, als wäre die Stadt Teplice die glücklichste Wahl gewesen, die Wolfram treffen konnte. Als er zum ersten Mann der Stadt wurde, hatte er in der Schublade eine ganze Reihe großartiger Kompositionen, die besten waren jedoch bereits in tschechischen und österreichischen Salons im Umlauf. Erst die Stadt Teplice hat ihm eine ausreichende Basis, jede Menge Impulse und Raum dazu angeboten, das für ihn Beliebteste zu entwickeln. 

Alfred, Die bezauberte Rose, Die Normannen in Sizilien, Prinz Lieschen, Beatrice, Der Bergmönch, Das Schloß Candra, all das sind Namen einiger seiner Opern. Ihre Premieren, die oft Wolfram selbst geführt hat, spielten sich in führenden europäischen Szenen ab, vor allem in Prag, Dresden und in Berlin. Zu ihren ersten Zuhörern zählten jedoch Gäste zahlreicher Abendpartys in Wolframs Wohnung, zu denen Alexander von Humboldt, František Palacký, Niccolo Paganini, König Friedrich Wilhelm und viele andere zählten. Kein Wunder, dass sich Wolfram, nachdem er das Angebot bekommen hatte, die Stelle als Kapellmeister in der Dresdner Hofoper nach dem plötzlich verstorbenen Carl Maria Weber einzunehmen, ohne Zögern entschied in Teplice zu bleiben. Seine Opern wurden in ganz Mitteleuropa mit großem Erfolg gespielt, in seiner Stadt begrüßte er die angesehensten Eliten seiner Zeit und ein unmittelbarer Kontakt zu Künstlern, Wissenschaftlern und Intelektuellen hat ihn zu weiteren Aktivitäten stimuliert. 

Er selbst war ein hervorragender Gastgeber und bemühte sich darum, dass Teplice stets ein besserer Ort der körperlichen und geistigen Reinigung und Inspiration ist. Zu den letzten Handlungen Wolframs zählte die Gründung eines Kurorchesters, das in Teplice bis heute als Nordböhmische Philharmonie wirkt. Auf die Auferstehung seines musikalischen und gesellschaftlichen Erbes wartet die Stadt Teplice noch.

 

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