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Der erotischste Moment im Leben von J.W. Goethe

Johann Wolfgang von Goethe, Fürst der Dichter, hat in Teplice Beethoven zum ersten Mal getroffen und eine nicht verwirklichte Premiere seines Theaterspiels und auch den erotischsten Moment seines Lebens erlebt. Er ist sechzig, und sie fünfundzwanzig geworden. Er kannte sie seit ihren Kinderjahren, und sie hieß Bettina von Arnim. Den atemberaubenden Moment schildert Milan Kundera in einem Roman namens Unsterblichkeit. 

Im Jahre 1810, während den drei Tagen, in denen sie beide sich zufällig in Teplice aufgehalten haben, hat sie ihm zugestanden, dass sie bald den Dichter Achim Arnim heiraten wird. Sie sagte es ihm wahrscheinlich mit einer gewissen Verlegenheit, weil sie sich unsicher fühlte, ob Goethe ihre Ehe nicht als Betrug an ihrer Liebe betrachten wird, die sie ihm so leidenschaftlich erklärte. Sie kannte sich mit Männern nicht gut genug aus um voraussagen zu können, welche stille Freude sie ihm damit verursacht. 

Gleich nach ihrer Abreise schreibt er an Christiane einen Brief nach Weimar, und in ihm den lustigen Satz: „Mit Arnim ist es wohl gewiss.” Im gleichen Brief freut er sich, dass Bettina diesmal „wirklich schöner und netter als sonst” war, und wir ahnen, weshalb sie ihm so vorkam: er war sich sicher, dass die Existenz eines Ehemannes ihn von jetzt an vor ihren Extravaganzen schützen wird, die ihn bis jetzt daran hinderten, ihren Charme in guter Laune zu schätzen.

Damit wir diese Situation besser verstehen, dürfen wir eine ganz wichtige Sache nicht vergessen. Goethe war seit seiner frühesten Jugend ein Verführer, und als er Bettina kennenlernte, war er ununterbrochen schon seit vierzig Jahren ein Verführer. Während dieser Zeit bildete sich in ihm ein Mechanismus der verführerischen Reaktionen und Gesten, die er beim kleinsten Impuls in Gang setzte. Bis jetzt musste er sich immer vor Bettina mit einer großen Mühe zurückhalten. Als er jedoch erfuhr, dass es „mit Arnim gewiss“ sei, sagte er zu sich selbst mit Erleichterung, dass seine Zurückhaltung nun überflüssig ist. 

Am Abend kam sie in sein Zimmer und benahm sich wieder wie ein Kind. Sie sprach von irgendetwas lieblich Unhöflichem, und während er in seinem Sessel blieb, setzte sie sich ihm gegenüber auf den Boden. Mit einem guten Gefühl („mit Arnim ist es gewiss”), beugte er sich zu ihr und streichelte ihr Gesicht, wie ein Kind gestreichelt wird. In diesem Moment wurde das Kind in ihrer Rede still, und hob seine Augen voll von weiblicher Sehnsucht und Verlangen zu ihm hoch. Er nahm ihre Hände und hob sie vom Boden. Vergessen wir nicht die Szene: er saß, sie stand ihm gegenüber und hinterm Fenster ging die Sonne unter. Sie sah ihm in die Augen, er sah in ihre. Die verführerische Maschine wurde in Gang gesetzt, und er wehrte sich nicht. Mit einer etwas tieferen Stimme als sonst, wobei er nicht aufgehört hatte, in ihre Augen zu schauen, forderte er sie auf, ihre Brust zu enthüllen.  Sie hat nichts gesagt, nichts getan; sie wurde rot. Er erhob sich vom Sessel und hat ihr selber die Kleidung auf der Brust aufgeknöpft. Sie schaute ihm stets in die Augen und die Abendröte vermischte sich auf ihrer Haut mit der Röte, die sie vom Kopf bis zum Magen übergoss. Er legte seine Hand auf ihre Brust: „Noch niemand hat deine Brust berührt?“ fragte er sie. „Nein”, sagte sie. „Und es ist so seltsam, wenn du mich berührst”, und sie schaute ihm noch immer in die Augen. Ohne seine Hand von ihrer Brust zu nehmen schaute er ihr auch in die Augen, und gierig betrachtete er auf deren Grund die Scham eines Mädchens, dessen Brust vorher noch niemand berührt hat. Etwa so hat Bettina selbst diese Szene beschrieben, die höchstwahrscheinlich keine weitere Fortsetzung mehr hatte, und die inmitten ihrer eher rhetorischen als erotischen Geschichte als einziges wunderschönes Schmuckstück der sexuellen Erregung leuchtet. 

 

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